Vor-Bilder Ausstellungstext

Repräsentation im öffentlichen Raum, sich an jemandem orientieren können, ein Vor-Bild finden für das eigene Denken und Handeln. Ja, man könnte denken: Ich allein bin. Ich entscheide und handle. Ich weiß, was ich will und wie ich es erreiche. Aber stimmt das? Ist jede sie selbst und weiß was sie will und wie sie es erreicht? In Zeiten der unendlichen Entwicklungs- und Entfaltungsmöglichkeiten des eigenen Selbstbildes in einer Welt voller Optionen und Risiken, zeigt sich auch eine besondere Orientierungslosigkeit. Und: Wir bewegen uns in einer Welt der Darsteller. Schon Erving Goffman war sich sicher: Wir alle spielen Theater. Wir erfüllen unseren diversen Rollen,  wir setzen Masken auf und legen sie ab, wir kommunizieren mit Menschen, die ebenfalls theatralisch agieren. Das ist keinesfalls beabsichtigt artifizielles Verhalten, verlogenes Vorgehen, hinters Licht führen, sondern vielmehr soziologische ‚Realität‘.

Wann suchen wir uns welches Vorbild? An wem kann ich mich orientieren? Und: Trägt nicht auch mein Vorbild ein Bild-vor-sich? Auf dem wievielten Grad der konstruierten Maskerade begegne ich meinem Gegenüber? Und welche Bedeutung kann diese Begegnung dann für mich überhaupt noch haben?

Jessica Kellershofen zeigt in der Ausstellung „Vor-Bilder“ zwei fotografische Arbeiten, die sich mit mehrschichtigen Vor-Bildern und Reflektion auseinandersetzen. Darüber hinaus sind 15 Sprayart-Porträts berühmter Frauen in verschiedenen Grau-Schattierungen zu sehen sein. Einerseits geht es um die Frage der öffentlichen Sichtbarkeit von weiblichen Vorbildern. Andererseits zeigen kleine, farbenfrohe Fotografien der jeweils signierten Originalversion, wie genau dieses ‚Bild eines Vor-Bildes‘ bereits auf Reise zu den berühmten Persönlichkeiten ging und durch deren Unterschrift eine neue Konstruktionsebene des Zusammentreffens von Mensch, Kunst und Mensch zwischen allen Maskeraden schaffen konnte.